Hikers Pleroma im Fediverse

Wenn Menschen sich über Streiks beschweren, denke ich mir oft: Die Maßnahme wirkt halt leider nur dann, wenn es dem bestreikten Unternehmen auch wehtut. Dass dabei unbeteiligte Dritte mit reingezogen werden, ist unangenehm und frustrierend für Betroffene, keine Frage. Aber mit dem Fordern von "Alternativen" - die Politik soll eingreifen, die Streikenden sollen endlich nachgeben - stärkt man halt die Unternehmensseite. Dessen sollte man sich auch bewusst sein.

Die Unternehmen spekulieren ja damit, dass sich die Bevölkerung irgendwann nicht mehr solidarisch neben die Streikenden stellt, sondern gegen sie. So versuchen sie, den Arbeitskampf zu gewinnen. Also wenn ihr wegen dem kommenden auf jemand wütend sein wollt, überlegt euch genau, auf wen.

@mimrma Also Streiks ohne Ankündigung sind genau der Schritt, bei dem mein Verständnis endet. Ab jetzt ist es die beste Werbekampagne für die Anschaffung eines Autos, die man sich vorstellen kann.

@SonstHarmlos
Naja, also ein Streik mit Ankündigung macht halt wenig Sinn oder? Über die letzten Jahre ist der Zeitraum zur Ankündigung auch gefühlt immer länger geworden. Und zudem ist in einigen Branchen Ankündigung eher weniger sinnvoll als in anderen. Im Handel wäre es z. B. mal gut, wenn es einfach keine Ankündigung gäbe.
Mich würde in dem Zusammenhang allerdings interessieren, ob von den Streiks nur der Personenverkehr betroffen ist, oder auch der Güterverkehr. Bei letzterem wäre ein unangekündigter Streik vermutlich richtig gut. 🤔

@mimrma

@mimrma Sehr gut gesagt.
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@mimrma könnte der Bund als DB-Eigentümer nicht auch so eingreifen, dass der Vorstand der GDL entgegenkommen muss?

@onlytina
Der Güterverkehr wurde auch bestreikt. Trifft aber auch den Personenverkehr, weil halt dieselben Gleise und Weichen. Es streikt ja nicht das Fahrgastteam (sofern noch vorhanden). Ausserdem dann mimimi die Wirtschaft, Standort Deutschland etc.
@SonstHarmlos @mimrma

@lappenjammer ja, ich meinte das schon in Bezug auf das Lokführerpersonal. Und der letzte Satz hier würde ja aber dem Ganzen den richtigen Rumms versetzen, weil eben Wirtschaft betroffen wäre. Man liest da nur irgendwie immer nichts (?, also ich jedenfalls nicht) dazu, so von wegen dass Wirtschaft/Industrie rumheulen würden beim Streik. Evtl ist das ja auch beabsichtigt, klingt zwar bisschen nach Verschwörungsblabla, aber wenn nur die Empörung der Fahrgäste, nicht aber die der Wirtschaft öffentlich verhandelt wird, macht das ja auch was mit der gesellschaftlichen Wahrnehmung. 🤔

@mimrma

@lappenjammer oha, danke für den Link. Das ist ja (bis auf ein paar Übertreibungen wie z. B. Heizen und Strom, weil Kohle eigtl eh aussterben sollte) ganz gut aufgelistet. Finde aber interessant, dass man in den öffentlichen Medien nichts dazu liest, und damit meine ich nicht stundenlanges Suchen im Netz bis man mal einen Artikel einer unbekannten Zeitung gefunden hat. Der Fokus liegt halt immer noch darauf, den Fahrgästen so viel wie möglich schlechte Laune einzureden wegen dem Streik. Zudem: finde, die haben eine ganz schöne, gewerkschaftlich-ökonomische Macht mit dem Streik. Das bräuchten andere Branchen auch dringend, aber denen ist es nicht vergönnt, als so wichtig wahrgenommen zu werden, ausser in ner Krisensituation wie Corona (die "Systemrelevanten").

@onlytina https://www.deutschlandfunk.de/streik-im-gueterverkehr-hat-begonnen-106.html

Fritz M. nannte das einen "StReIkExzEsS" 🤡

Die Wahrnehmung ist schon bei den Journos verzerrt, die eher mit der Bahn reisen als Güter transportieren. Das setzt sich bei Bürger*innen fort, ist aber eben ein Bias.

@onlytina Die Bahn kann bei Streiks in D nicht gewinnen. Punkt. Ökonomische Macht sehe ich nicht so, schließlich kostet ein Streik eine Gewerkschaft richtig Geld.

Anderen Branchen gönne ich die Anerkennung ihrer Leistungen. Aber dafür müssen sie sich gewerkschaftlich organisieren, und das tun immer weniger.

Außerdem toleriert die Allgemeinheit in Gesundheit und Pflege z.B. auch nicht, weil da kranke Menschen betroffen sind.

Ein Generalstreik wäre vielleicht was, aber nicht in D.

@lappenjammer mh. Also, der ökonomischen Druck, den die Gewerkschaft da aufbauen kann, wiegt evtl die Kosten des Streik wieder auf. Klar kostet ein Streik Geld, deshalb können z. B. auch nicht viele Branchen unbefristete Streiks versuchen.
Und ja, leider ist die gewerkschaftliche Organisierung da ein Knackpunkt. Aber auch, wenn viele organisiert sind, werden in prekären Bereichen nur wenige streiken, weil Langfolgen einer Teilnahme am Streik befürchtet werden (meist die Nichtverlängerung eines befristeten Vertrags).
Das mit dem Pflege-/Gesundheitssektor ist nochmal was ganz eigenes, es gibt da spannende Untersuchungen zu den ersten Mobilisierungen im Pflegesektor.
Leider haben wir in D ja seit den 50er Jahren nicht mehr die Möglichkeit, einen politischen Streik zu organisieren. Abendroth-Nipperdey Debatte und Grundsatzurteil in den 50er Jahren sei dank ... (nicht).

Und zu "überzogenen" Forderungen: Irgendwann waren die 40h-Woche, bezahlter Urlaub, Mindestlohn und Lohnfortzahlung bei Krankheit auch mal überzogene Forderungen. Genauso wie das Wahlrecht für Frauen und viele andere Errungenschaften, die wir heute schon fast als selbstverständlich betrachten.

@mimrma
Unser örtliches ÖPNV Unternehmen wollte einen Notfallfahrplan einrichten, damit die Menschen in die Krankenhäuser kommen, was von Verdi abgelehnt wurde.

Durch so etwas habe ich absolut keinen Respekt mehr für Streikende, die wollen anscheinend Menschen sterben stehen sehen, um besser dazustehen. Da sieht man wie egal ihnen die Menschen geworden sind.

@pestilence @mimrma

"Notfallfahrpläne" dienen eher der Umgehung von Streiks.

@samuelmumm @mimrma
Es sollten 2 Linien fahren, die beide nur zum Krankenhaus fahren sollten, damit Patienten, PflegerInnen und Ärzte dort hin können. Wenn die Gewerkschaften nichtmal dazu bereit sind, wollen die nicht verhandeln, die wollen einfach nur Ärger machen.

@pestilence @mimrma

Das kann durchaus eine Reaktion auf das Verhalten des Arbeitgebers sein.

Und es geht nicht um "Ärger machen", sondern um die Wahrnehmung eines Grundrechts.

Nebenbei: Eine Linie zwischen einer Haltestelle und dem Krankenhaus ohne Haltestelle dazwischen dürfte eher die Ausnahme sein.